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::::Phillipines::::

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Phillipines, September 2006
Der Inselwahsinn macht fette Beute !

Manila ist ein surrendes Gebilde aus ca. 12 Millionen Menschen. Übernächtigt und verkatert von 15 Stunden im Flugzeug fiel das surrende Etwas sofort über den musikalischen Gast aus dem fernen Deutschland her. Zwei Kamerateams, direkt am Flughafen (danke für die Augenringe !) die viel über DJ Kultur wissen wollten. Lustigerweise war German month in Manila, das ist jedoch keine doofe Nationalstolz Veranstaltung, es ist eher ein kulturueller Fleck in der großen ausländischen Gemeinde , so wie es auch eine Französische Fete und eine englische Woche gibt. Dass mittlerweile deutsche Partykultur und House und Technomusik ein Exportschlager sind hätte ich mir als Teenager nie träumen lassen, als deutscher Pop im Ausland noch ausschliesslich Nena oder Scorpions waren, andererseits ist es auch ein witziges Gefühl mit einer Underground Musiksparte auf einmal irgendwo und unbewusst im Mainstream angekommen zu sein. Wobei ich das durchaus positiv meine, denn Musik wird ja nicht automatisch schlechter, nur weil sie mehr Leute geniessen können.

Klar ist Manila eine Stadt mit großen Klassenunterschieden, aber wenigstens erfriert hier keiner auf der Straße , denn das feuchte Tropenklima ist total angenehm. Die erste Party nahmen wir gleich nach ein paar Stunden Schlaf mit, noch ohne mehr vom surren oder dem Hotelpool dieser 5 Sterne Absteige gesehen zu haben brachte uns ein Chauffeur (!) mit einem deutschen Luxuswagen in die Location. Das Cafe M ist ein typischer Museumsspot und könnte ebenso in Paris oder London sein. Leckeres Essen und gepflegte Getränke für bestimmt nicht alle Menschen dieser Stadt und trotzdem ein unglaublich schöner Ort. Mitten in einem Konglomerat von Hochhäusern gelegen, drinnen und draussen, umgeben von einem verspielten asiatischen Garten mit Brunnen und Teichen. Gleich dahinter eine Nachtbaustelle und die Party auf der Terasse in einer Lautstärke, die bei uns das Ordnungsamt nicht mal an Sylvester zulassen würde. Die Crowd eine witzige Mischung aus Europäern, die in Manila wohnen und ungefähr die gleiche Anzahl Phillipinos. Es wurde eine sehr herzliche und lustige Party (mitsamt Chauffeur, denn er war Musikbegeistert und wir hatten ihn überredet mitzukommen) , denn es gibt zwar echte Musikliebhaber in dieser Stadt, aber Clubs, wie in Berlin kennt man hier nicht. Umso schöner war es zu sehen wie die Crowd eins wurde und die Gesichter immer glücklicher. Schön war auch das DJ Set von DJ Edge, der auch gleichzeitig Veranstalter war und stolz auf den Klavierlack der limitierten Plattenspielern verwies. Bedenkt man die lausige Technik in so manchem berühmten europäischen Club, hat er aber auch allen Grund dazu. Als die Party um ca. 4 Uhr Morgens zuende ging feierten wir noch einige Stockwerke höher im Vergnügungskomplex weiter. Nicht mehr allzu lange aber sehr lustig und mit zei DJs , die immer mit größter Treffsicherheit den absolut falschen Remix des richtigen Songs spielten. Ohne Freund Alkohol bestimmt nicht zu ertragen, in allgemeiner Ermangelung anderer Spaßmacher jedoch eine adäquate Lösung. Für die generelle Gesundheit war das auch sicher besser so, denn irgendwann gingen alle müde nach hause. Und das Partywochenende hatte ja auch erst begonnen.

Freitag ging es ins Radio, zuvor jedoch konnten wir es nicht lassen die Puffgegend bei unserem Hotel zu erkunden. Auf der langen Fahrt zum Sender, lechzten wir ganz unkorrekt nach amerikanischen Kaffeeröstereien von denen es echt zuviele gab und bestaunten die riesigen Werbeplakate entlang der Stadtautobahn . Die Megaposter der Werbung waren an riesigen Gerüsten befestigt und wir fragten uns, was wohl bei starkem Wind mit denen passieren würde.
Wohnt man in den umliegenden Hochhäusern , hat man es in der Hauptstadt schon ganz schön weit geschafft. Die Meisten der Hochhausbauten werden von Menschen hochgezogen, die sich die Appartments nicht leisten können. Manila ist die Stadt der krassen und angrenzenden Gegensätze. In den ärmeren Wohnvierteln spielt sich viel Leben auf der Straße ab. Ganze Großfamilien wohnen auf weniger als 20 Quadratmeter, ohne fliessendes Wasser in Hütten, die aus allem möglichen wie Holzresten und Wellblech zusammengezimmert wurden. Das Badezimmer besteht aus einer Wassertonne, geduscht wird mit daraus geschöpften Plasikschüsseln unter den Augen der Nachbarn, Freunde und eventuellen Passanten. Küche und Wäscheleine befinden sich ebenfalls auf dem Trottoir, horden von kleinen Kindern spielen zwischen den fahrenden Autos der dreispurigen angrenzenden Straßenzüge, die die Viertel und die augebauten Mofataxis (Trikes) von den anderen Gegenden abgrenzen. Gelich nebenan gibt es chice Hochhausviertel und wiederum nicht weit entfernt passiert man Privatstraßen, einiger Villenviertel. Nicht wirklich öffentlich, nach einer Sicherheitskontrolle mit Kofferraumcheck dürfen jedoch auch diese Straßen benutzt werden. Aber auch hier verfehlt die Kontrolle und die Architektur der Festung mit einigen Toren ihre soziale Wirkung nicht. Silberne, selbstgebaute Busse, die den privaten Transport der armen Menschen, als Ersatz für ein arm ausgebautes öffentliches Verkehrsnatz übernehmen, sind keine zu sehen. Wie viele andere sozale Trennungssysetme ist auch die Art des Verkehrsmittels eins. Triciclyes, 2 Takt Motorräder, die an der Seite eine Sitzkabine für bis zu 10 Menschen angeschweisst haben übernehmen den Verkehr innerhalb der Viertel, sie dürfen jedoch nicht auf die großen Marginalen. Hier muss man dan auf die silbernen Busse, bzw. wer es sich leisten kann auf ein Taxi umsteigen. Für noch kürzere Strecken gibt es sogar Trycicles die an Fahhrädern angeschweisst sind. Diese Übernehmen auch viele kleinstransporte. Zum Preisvergleich: eine längere Fahrt mit dem Bus kosten 7 Pesos, eine Fahrt mit dem Trycicle ca. 15 Pesos, eine mittlere Taxistrecke ca. 100 Pesos. Wir hatten hingegegn den unglaublichen Luxus in Form eines eigenen Fahrers. Freundlicherweise hatten uns die Veranstalter damit umsorgt, wenn es auch ein komisches Gefühl war. Aber unser Fahrer war toll, ein super Typ mit großem Wissen und er umsorgte uns mit vielen Infos und Kaffee und kam auch zu den Parties.

Samstag waren alle entspannt, am Nachmittag gab es den Ableton Workshop im Restuarent der Embassy. Eine interessante Mischung aus neugierigen und echten Freaks hatten sich eingefunden und hatten spaß zu sehen wie man in 1,5 Stunden einen kompletten Song remixen kann. Wo in Berlin die Minimalwelle schon wieder am abebben ist, ist sie in Manila wohl noch nicht einmal richtig angekommen. Aber alle hatten Spaß mit den vorbereiteten Glitch Samples mal zu sehen, wie man Sound auch richtig zerstören kann.
Nachts ging es dann ans Auflegen in den Club. Nach schier endlosen Diskussionen mit einem Spaßbrausefreak von Veranstalter gab es sogar Plattenspieler, statt wie vorher CD Spieler. Zu mehr als einem total niedergerockten Denon DJ Mixer konnten sich die Jungs jedoch nicht durchringen. Na, wenn soviel Geld nach Kolumbien zieht, ist natürlich nicht mehr viel Liebe und Etat für Musik übrig. Der Tontechniker vollendete das Bild: unfähig eine Brummschleife an den Decks zu entfernen, war es ein einfaches mal eben die Erdung anzuschliessen und so das Problem nach einfachstem Hausfrauenrezept zu beheben. Dass der Mixer trotzdem kein gleichmässig ausgepegeltes Stereosignal ausgab, sondern ausser einigen kaputten Fadern auch noch diverse heimliche Störgeräusche bereithielt war da nur noch ein Detail am Rande. Auch das Publikum bestand aus Musikliebhabern dieses Kalibers. Die anderen DJs spielten eine Musikmischung aus kommerziellem Trommelwirbelhouse in ca. 134 BPM, dinge wie man es eventuell auf Ibiza noch vor einigen Jahren hörte. Das komische war nur, auch trotz Trommelgewitter und Fanfarenalarm mochte nicht so recht Extase aufkommen. Wie auch, wenn die meisten Clubber lediglich damit beschäftigt sind möglichst gut auszusehen und sich am Handtäschchen im Zigarettenschachtelformat festklammern. Da fiel unsere Crew, von denen wir einige schon von der Nacht davor kannten, schon gehörig aus dem Rahmen. Es war ein ganz klarer Fall, angeblich ist dieser Laden „DER CLUB“ in Manila, für uns war es der mit abstand fieseste Laden den wir auf der ganzen Tour sahen: kommerziell, ohne jede Liebe zur Musik, totale Poser, einfach eine richtig schlimme vorstadtdisse, wie es sie überall auf der Welt gibt. Jedenfalls bekam der Club immerhin drei Stunden wilde Musik, garantiert ohne Trommelwirbel ab, bevor wir ihn von Embassy (Botschaft) in Embarrassy (Peinlichkeit) umbenannten und in die Stadt zum Feiern weiterzogen. Dort gab es einen kleinen aber sehr lustigen Club, mit wirklich sehr guter Musik. Die Mischung waren Drum und Breaks Elemente, House und durchaus auch Minimales, immer interessant und immer groovy.
Vinyl war eher wenig vorhanden, alle DJs hatten ihre MP3s auf CDs gebrannt und legten damit auf, teilweise mit CD Spielern, teilweise mit Systemen wie Serato Scratch. Obwohl sie alle lieber Vinyl gehabt hätten ist Vinyl aber unerschwinglich und durch die langen Versandzeiten selten aktuell. Gleiches gilt für Final Scratch, viele finden es cool aber es ist einfach unerschwinglich teuer. Bedenkt man die Dimension, ein teuerer Drink kostet 2 Euro, dann ist ein Vinyl für ca 12 Euro inkl. Versand eine vergleichsweise teure Investition.

Auf den Phillipinen spielt sich viel öffentliches Leben in Shopping Malls ab. An einem durchschnittlichen Sonntag gehen ganze Großfamilien in die Malls um dort einen ganzen Tag zu verbringen. Für die Kinder steht ein großes Unterhaltungsprogramm bereit, von der Eisbahn über Megaspielplätze mit Musik zu moderierten Spielshows. Es scheint, bereits die kleinsten sollen der Faszination der Megamalls für den Rest des Lebens geprägt werden. Natürlich ist dieses Vergnügnen ein relativ exclusives, da eine komplette Familie auch dort in den Restuarnts essen muss, selbst wenn nichts gekauft wird. Einge der Malls sind sogar hauptsächlich mit Resturants und sogar Clubs für viele Geschmäcker ausgestattet. Die Malls sind riesig und verbinden teilweise ganze Stadtgebiete mit Skywalks. Um Zutritt zur Mall zu erhalten muss der Besucher an uniformierten Sicherheitskräften vorbei, die mit Handschuhen und Holzstäben alle mitgebrachten Taschen in Augenschein nehmen, angeblich zum Schutz vor Anschlägen. Andererseits wirken diese Kontrollen eher als soziale Sperre, denn in den Malls findet man keine Bettler, Politik oder andere offensichtlich arme Menschen. In den Malls gibt es auf großen Wühltischen Plagiate von allem. Polo T-Shirts liegen neben den ganzen bekannten US Marken, die auf MTV rauf und runter laufen. Inwieweit diese Kopien mehr mit dem Original als die Markenaufdrucke zu tun haben bleibt offen. Ebenso findet man offensichtliche Kopien von Software, völlig irrwitzig sind die CD Compilations von aus dem Internet gezogenen MP3s unterschiedlicher Musikrichtungen, mit allen aktuellen Hits von Hiphop über Trance zu House. Egal, wie man zu jeder art von Plagiat steht, es ist ein komisches Rechtsverständnis einerseits Menschen auszugrenzen aber andererseits selbst Recht zu verletzen. Uns sollte das in dem Moment aber nicht stören, denn dieser Sonntag sollte das Highlight dieser Reise werden: Eine Party mitten im Zoo von Manila. An der Eingangstür gab es Souveniers und ich konnte es nicht lassen mir für einen Euro einen Plüschaffen zu kkaufen, der lange Arme hatte. Dieser wurde mein Wegbegleiter für den Rest der Nacht. Mitten im Zoo gab es eine kleine Partyinsel, die normalerweise als Treffpunkt dient, für die Familienausflügler mit umliegenden Erfrischungsgetränken und Toiletetten kurz zu verweilen. In einem unglaublichen Akt von Logistik hatten die Veranstalter eine Bühne aufgebaut, Jägermeister und BMWs an die Bar gestellt und eine komplette chice PA hingestellt. Als es um 18 dunkel wurde und sich die Familien auf den Nachhauseweg machten kamen die Partygäste. Das Motto war: zieh dich an wie dein Lieblingstier und damit darfst du umsonst auf die Party. Und diesem Motto waren einige der Partygäste nachgekommen. Ein Elfe empfing uns, während der Schmetterling für Jägermeister sorgte. Auf der Tanzfläche tummelten sich Bär und weitere Schmetterlinge, während ein französischer DJ wild gemischte Musik aus allen Breakbeat Genres auflegte. Mein Affe und ich mussten nur etwas dreckig grinsen, als wir entdeckten dass alle unsere Vorurteile irgendeine Wahrheit beherbergten, denn seine teuren Vinyle behandelte er echt schlecht, größtenteils waren sie in zerissenen papiertaschen, seine Plattentasche jedoch sah wie frisch gebohnert aus, kein wunder , die Marke mit den drei Streifen und echtes Leder – unpraktisch aber trop chic ! Vor lauter Jägermeister und Geläster über die Phillipinische Assistentin der Veranstalterin, die nicht alleine Pizza holen gehen wollte, weil sie das als Mädchenj nicht alleine kann/darf/will, verpasseten wir fast den Zoodirektor, der Sonya erstmal eine 3 Meter lange Schlange über die Schulter legte. Tina unsere Gastgeberin legte sich dann noch ordentlich auf`s Gesicht, so dass wir mal eben in der Notaufnahme des angrenzenden Krankenhauses landeten. Ein gruseliges Bild, mit sehr vielen kranken Menschen in einem Raum und echter dritte Welt Medizin. Aber nicht einmal das konnte unsrer guten Laune Abbruch tun, denn die Party hatte soviel spaß gemacht und der angekündigte Tornado war glücklicherweise doch nur ein tropischer Regen, der die Party genau zum angekündigten Ende weggespült hatte. Für uns war das ohnehin die beste Lösung, denn wir flogen am nächsten Morgen nach Boracay, eine Insel von der alle in Manila völlig begeistert erzählten, es sei das ultimative Paradies.


Auf dieser Insel sah erstmal alles anders aus. Der erste Blick von oben offenbarte Sandstrände und Palmen sowie himmelblaues Wasser, der zweite Blick zeigte jedoch einige weniger angenehme Wahrheiten wie große Armut und ein noch schlimmeres Zweiklassensystem als man in Manila wahrnehmen konnte. Die Phillipinos sind sehr , fast zu freundlich, trotz scharen von Touristen aus der ersten Welt. Jedoch kann auch Freundlichkeit eine Waffe sein, zwischen „ Massage Mam“, „Boattrip Mam“, „Resturant Mam“, „Tricicle Mam“, „Thanks Mam“ und mindestens weiteren 2000 Angeboten mit der Verknüpfung Mam war es sehr anstrengend sich im Dorf zu bewegen. Die Horden von Koreanern im Partnerlook , stets damit beschäftigt sich gegenseitig zu Fotografieren, sind da wohl besser gewappnet. Sie ignorieren die Phillipinos und freuen sich über die günstigen Preise.

Das Dorf der kleinen Insel Boracay hat eine Strandseite an der sich viele Läden und Bars befinden, es ist aber parallel dazu über eine Dorfstraße von hinten zugänglich . Diesen Weg nutzen meist die Einheimischen. Dreibeinige Motorräder mit Zweitaktlärm sind das öffentliche einzige Verkehrsmittel dieser Verkehrsader, falls man eine holprige Schotterpiste mit teilweisen Betoneinlagen so nennen darf. Hier wohnen Phillipinos in ärmeren Verhältnissen. Die Bauten und Hütten sind umso schäbiger und ungepflegter je weiter vom Strand entfernt. Viele hausen mit Tier und Müll auf Minigrundstücken mit größeren Hundehütten. Hygienische Verhältnisse Europäischer Prägung gibt es nicht, fliessendes Wasser ebenfalls selten, ausser in den Hotels. Zur Regenzeit kommt das Wasser als Schauer, meist öfter am Tag. Straßen, Wiesen und Hinterhöfe werden gleichermassen zu Sumpfgebiet, bis der größte Teil im laufe einiger Stunden wieder verdampft ist, um sofort danach erneut auch die einzige Wiese des Dorfes ein einen See zu verwandeln mit einer Insel in der Mitte, auf der die einzge Kuh weidet.
Nach der Schule üben die Jungs Breakdance und Posen aus den klassichen Videokanälen auf dem weissen Sandstrip. Die Mädchen üben sich in Schönheit. Der Schulsportplatz dahinter ist Versammlungsort und Stadion, Bühne wie Proberaum gleichermassen. Mitten im nachmittäglichen Regen probt eine Hundertschaft Aufstellungen und Abläufe für ein Fest. Die Musik ist laut wie die Stimmung, ganz als wäre die Probe in Trainingshosen schon der große Auftritt. Popsongs trällern aus den Lautsprechern, Teenagermädchen singen ebenso lauthals wie falsch die Texte in phillipinischer Übersetzung auf nachgespielte Karaokeversionen amerikanischer Schlager.
Nur minimal mehr originial sind die CDs bekannter Europäischer Clubs und DJs , die im Einkaufszentrum für 500 Pesos angeboten werden. Die Verkäufer geben sich nicht einmal die Mühe den Anschein der Echtheit zu erwecken. Selbstgebrannte CDs werden mit der Oberseite des Covers in Nadeldruckerqualität zu neuen „Originalen“. Anders, als bei den nachgespielten Karaokeversionen ist zumindest die Musik auf den CDs echt. Das Internet hat der hiesigen Musikindustrie offenbar weniger geschadet als andernorts, man findet seinen weg mit Cds Geld zu verdienen, und wenn es nur die schäbigen Doupletten sind. Das Tempo mit dem Hits über diese Insel hereinbrechen bleibt trotz zahlreicher asiatischer MTV Klone eher gering. Die Hits in den Bars sind von der letzten Saison und auch nur die wirklich ganz großen. Und man kann sie den ganzen Tag in voller Lautstärke hören. Cafes mit leiser Hintergrundbeschallung sind die Ausnahme. Selbst in Resturants ist Discolautstärke die Norm. Schalldämmung Fehlanzeige , wie auch bei einfachen Bambusbauten, bzw. überdachten Terrassen, wie in Manila , wo sich sehr viel im freien abspielt. Ein Alptraum für den Schallschutz und die Ohren und leider auch ein Alptraum für jede Konversation, und ein noch viel größerer Alptraum angesichts des unglaublichen Gewirrs von Musikstilen an manchen Stellen. Genauso Aggressiv ist die Fröhlichkeit der Housetunes die gespielt werden. Viele der Produktionen klingen wie aus den großen englischen Discos im süden, bzw. nach kommerziell erfolgreichen Houseproduktionen aus Amerika, jedoch mindestens 5 Jahre alt . Reduktion und Pointierung Fehlanzeige, das gute alte Crashbecken und der Trommelwirbel regieren, alles ist bombastisch. Ganz im Gegensatz zu den Verpackungsgrößen, die in den kleineren Geschäften dargeboten werden. Es gibt alles vorwiegend in Minigrößen : Instantcaffe, Shampoo, Seife, getrocknete Energy drinks, Zahnpasta, Creme, Waschpulver. Vieles davon mag der bitteren Armut geschuldet sein, denn die kleine Größe bietet immerhin die Möglichkeit wenigstens hin und wieder an der bunten Verpackungsgesellschaft teilnehmen zu können. Cremes und andere Kosmetikprodukte werden hauptsächlich mit „whitener“ angeboten. Bleichere Hautfarbe, die weiss wirkt, kann eine art Aktie im Kampf um Mileus und finnanzielle Resourcen werden. Schönheit und artverwandte , dem weiblichen Geschlecht zugeschriebene Eigenschaften, sind immer noch ein möglicher Weg in die Industriegesellschaft. Viele allein reisende Männer, vorwiegend unattraktiv und im mindestens mittleren Alter, haben eine oder mehrere, halb so alte, halb so große, sehr zarte und doppelte so hübsche Frauen im Arm. In der Mehrzahl der Fälle bleiben diese Zusammenkünfte eher temporärer art, das schreckt die Hoffnungen der einheimischen Mädchen aber kaum, denn wenigstens für einen begrenzten Zeitraum können die Frauen so am westlichen Reichtum mitknabbern. In zahlreichen Touristenclubs geht es auf der Tanzfläche zu wie auf einer Auktion. Möglichst gut tanzen und möglichst gut aussehen, flirten und mindestens eine Drink spendiert bekommen, denn die Drinks sind für umgerechnet 2 Euro zwar vergleichsweise billig, entsprechen aber dem Preis von 4 Kilo Bananen, 10 Mangos, 40 Brötchen oder 12 Fahrten mit dem Trike über die Insel. Diese Art von Bar war noch schlimmer, als der Geruch der Insel. Durch die Wärme vermischte sich der ungewöhnliche Geruch des Essens mit den Zweitaktabgasen, Frittieröl, Staub und allen Arten von Chemischen Wasch und Reinigungsmitteln, die mir sofort den Vietnamkrieg in den Kopf brachten. Was also als Paradies versprochen war entpuppte sich als Luftblase, ebenso wie Jude`s Bar. Noch so ein Ort der angeblich toll sei, dessen Besitzer sich aber zum angekündigten Gig nicht einmal blicken liess. Insofern fühlte ich mich auch nicht verpflichtet oder lustig Musik zu machen. Also versteckte ich mich mit Sonya und Laptop am Strand und genoss die unglaubliche Natur. Wir fanden ein altes Riff, welches leider abgestorben war, trotzdem konnte ich dort stundenlang im türkisblauen Wasser tauchen und alle arten von bunten und stacheligen Fischen entdecken. Die Farben, die Vielfalt der Natur, das Meer und der weisse Sand, mit den Palmenbergen im Hintergrund und endlich keine Menschenseele die irgendetwas verkaufen wollte waren toll. Auch wenn dieses Paradies nach einer weile sicher zu klein und zu langweilig werden würde, für ein paar tage war es super. Am letzten Abend machte Sonya noch Bekanntschaft mit einigen Inseldjs, die ganz wild auf feiern waren und so endete der Inselabend für die Gang in einer Karaoke Bar und fünf Phillipinischen DJs, die „schwarz braun ist die Haselnuss“ sangen. Da konnte nicht enmal mehr der Rückweg am nächsten tag schlimmer werden, erst Trycicle, dann Auslegeholzboot ohne Steg, was zu absurden Bildern mit den Koreanern führte. Die waren wie schon die ganze Zeit im übertrieben bunten Partnerlook unterwegs und liessen nicht nur die Koffer und ihre Mädchen sondern auch sich selbst auf die Boote tragen. Bedenkt man, dass die Phillipinos doch eher zart gebaut sind, sind die Koreaner doch reichlich fülliger und es sah einfach zu lustig aus wie sie, wie nasse Säcke geschultert wurden, um ja nicht die Schuhe ins knöcheltiefe Wasser ausziehen zu müssen. Genauso wurden sie vom Boot herunter getragen, wieder in den Bus, dann in den Propellerflieger und so flogen auch wir wieder endlose 15 Stunden zurück nach Frankfurt.

Nachtrag: Der Tornado kam doch noch, nachdem wir Manila verlassen hatten. Er traf die Stadt ziemlich direkt und verwüstete viel. Die großen Werbeflächen lagen wie zerbröseltes Legospielzeug auf den Autobahnen und einge Menschen starben an den Folgen der herunterfallenden Teile. Die Stromversorgung, die wie Wäscheleinen an Strommasten aussahen rächten sich ebenfalls durch Herunter und Ausfallen. Für einige Tage gab es keinen Strom und auch kein Wasser.