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::::Phillipines::::
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Phillipines, September
2006
Der Inselwahsinn macht fette Beute
!
   Manila
ist ein surrendes Gebilde aus ca. 12 Millionen Menschen. Übernächtigt
und verkatert von 15 Stunden im Flugzeug fiel das surrende
Etwas sofort über den musikalischen Gast aus dem fernen
Deutschland her. Zwei Kamerateams, direkt am Flughafen (danke
für die Augenringe !) die viel über DJ Kultur wissen
wollten. Lustigerweise war German month in Manila, das ist
jedoch keine doofe Nationalstolz Veranstaltung, es ist eher
ein kulturueller Fleck in der großen ausländischen
Gemeinde , so wie es auch eine Französische Fete und
eine englische Woche gibt. Dass mittlerweile deutsche Partykultur
und House und Technomusik ein Exportschlager sind hätte
ich mir als Teenager nie träumen lassen, als deutscher
Pop im Ausland noch ausschliesslich Nena oder Scorpions waren,
andererseits ist es auch ein witziges Gefühl mit einer
Underground Musiksparte auf einmal irgendwo und unbewusst
im Mainstream angekommen zu sein. Wobei ich das durchaus positiv
meine, denn Musik wird ja nicht automatisch schlechter, nur
weil sie mehr Leute geniessen können.
   
Klar ist Manila eine
Stadt mit großen Klassenunterschieden, aber wenigstens
erfriert hier keiner auf der Straße , denn das feuchte
Tropenklima ist total angenehm. Die erste Party nahmen wir
gleich nach ein paar Stunden Schlaf mit, noch ohne mehr vom
surren oder dem Hotelpool dieser 5 Sterne Absteige gesehen
zu haben brachte uns ein Chauffeur (!) mit einem deutschen
Luxuswagen in die Location. Das Cafe M ist ein typischer Museumsspot
und könnte ebenso in Paris oder London sein. Leckeres
Essen und gepflegte Getränke für bestimmt nicht
alle Menschen dieser Stadt und trotzdem ein unglaublich schöner
Ort. Mitten in einem Konglomerat von Hochhäusern gelegen,
drinnen und draussen, umgeben von einem verspielten asiatischen
Garten mit Brunnen und Teichen. Gleich dahinter eine Nachtbaustelle
und die Party auf der Terasse in einer Lautstärke, die
bei uns das Ordnungsamt nicht mal an Sylvester zulassen würde.
Die Crowd eine witzige Mischung aus Europäern, die in
Manila wohnen und ungefähr die gleiche Anzahl Phillipinos.
Es wurde eine sehr herzliche und lustige Party (mitsamt Chauffeur,
denn er war Musikbegeistert und wir hatten ihn überredet
mitzukommen) , denn es gibt zwar echte Musikliebhaber in dieser
Stadt, aber Clubs, wie in Berlin kennt man hier nicht. Umso
schöner war es zu sehen wie die Crowd eins wurde und
die Gesichter immer glücklicher. Schön war auch
das DJ Set von DJ Edge, der auch gleichzeitig Veranstalter
war und stolz auf den Klavierlack der limitierten Plattenspielern
verwies. Bedenkt man die lausige Technik in so manchem berühmten
europäischen Club, hat er aber auch allen Grund dazu.
Als die Party um ca. 4 Uhr Morgens zuende ging feierten wir
noch einige Stockwerke höher im Vergnügungskomplex
weiter. Nicht mehr allzu lange aber sehr lustig und mit zei
DJs , die immer mit größter Treffsicherheit den
absolut falschen Remix des richtigen Songs spielten. Ohne
Freund Alkohol bestimmt nicht zu ertragen, in allgemeiner
Ermangelung anderer Spaßmacher jedoch eine adäquate
Lösung. Für die generelle Gesundheit war das auch
sicher besser so, denn irgendwann gingen alle müde nach
hause. Und das Partywochenende hatte ja auch erst begonnen.
Freitag ging es ins
Radio, zuvor jedoch konnten wir es nicht lassen die Puffgegend
bei unserem Hotel zu erkunden. Auf der langen Fahrt zum Sender,
lechzten wir ganz unkorrekt nach amerikanischen Kaffeeröstereien
von denen es echt zuviele gab und bestaunten die riesigen
Werbeplakate entlang der Stadtautobahn . Die Megaposter der
Werbung waren an riesigen Gerüsten befestigt und wir
fragten uns, was wohl bei starkem Wind mit denen passieren
würde.
Wohnt man in den umliegenden Hochhäusern , hat man es
in der Hauptstadt schon ganz schön weit geschafft. Die
Meisten der Hochhausbauten werden von Menschen hochgezogen,
die sich die Appartments nicht leisten können. Manila
ist die Stadt der krassen und angrenzenden Gegensätze.
In den ärmeren Wohnvierteln spielt sich viel Leben auf
der Straße ab. Ganze Großfamilien wohnen auf weniger
als 20 Quadratmeter, ohne fliessendes Wasser in Hütten,
die aus allem möglichen wie Holzresten und Wellblech
zusammengezimmert wurden. Das Badezimmer besteht aus einer
Wassertonne, geduscht wird mit daraus geschöpften Plasikschüsseln
unter den Augen der Nachbarn, Freunde und eventuellen Passanten.
Küche und Wäscheleine befinden sich ebenfalls auf
dem Trottoir, horden von kleinen Kindern spielen zwischen
den fahrenden Autos der dreispurigen angrenzenden Straßenzüge,
die die Viertel und die augebauten Mofataxis (Trikes) von
den anderen Gegenden abgrenzen. Gelich nebenan gibt es chice
Hochhausviertel und wiederum nicht weit entfernt passiert
man Privatstraßen, einiger Villenviertel. Nicht wirklich
öffentlich, nach einer Sicherheitskontrolle mit Kofferraumcheck
dürfen jedoch auch diese Straßen benutzt werden.
Aber auch hier verfehlt die Kontrolle und die Architektur
der Festung mit einigen Toren ihre soziale Wirkung nicht.
Silberne, selbstgebaute Busse, die den privaten Transport
der armen Menschen, als Ersatz für ein arm ausgebautes
öffentliches Verkehrsnatz übernehmen, sind keine
zu sehen. Wie viele andere sozale Trennungssysetme ist auch
die Art des Verkehrsmittels eins. Triciclyes, 2 Takt Motorräder,
die an der Seite eine Sitzkabine für bis zu 10 Menschen
angeschweisst haben übernehmen den Verkehr innerhalb
der Viertel, sie dürfen jedoch nicht auf die großen
Marginalen. Hier muss man dan auf die silbernen Busse, bzw.
wer es sich leisten kann auf ein Taxi umsteigen. Für
noch kürzere Strecken gibt es sogar Trycicles die an
Fahhrädern angeschweisst sind. Diese Übernehmen
auch viele kleinstransporte. Zum Preisvergleich: eine längere
Fahrt mit dem Bus kosten 7 Pesos, eine Fahrt mit dem Trycicle
ca. 15 Pesos, eine mittlere Taxistrecke ca. 100 Pesos. Wir
hatten hingegegn den unglaublichen Luxus in Form eines eigenen
Fahrers. Freundlicherweise hatten uns die Veranstalter damit
umsorgt, wenn es auch ein komisches Gefühl war. Aber
unser Fahrer war toll, ein super Typ mit großem Wissen
und er umsorgte uns mit vielen Infos und Kaffee und kam auch
zu den Parties.
   Samstag
waren alle entspannt, am Nachmittag gab es den Ableton Workshop
im Restuarent der Embassy. Eine interessante Mischung aus
neugierigen und echten Freaks hatten sich eingefunden und
hatten spaß zu sehen wie man in 1,5 Stunden einen kompletten
Song remixen kann. Wo in Berlin die Minimalwelle schon wieder
am abebben ist, ist sie in Manila wohl noch nicht einmal richtig
angekommen. Aber alle hatten Spaß mit den vorbereiteten
Glitch Samples mal zu sehen, wie man Sound auch richtig zerstören
kann.
Nachts ging es dann ans Auflegen in den Club. Nach schier
endlosen Diskussionen mit einem Spaßbrausefreak von
Veranstalter gab es sogar Plattenspieler, statt wie vorher
CD Spieler. Zu mehr als einem total niedergerockten Denon
DJ Mixer konnten sich die Jungs jedoch nicht durchringen.
Na, wenn soviel Geld nach Kolumbien zieht, ist natürlich
nicht mehr viel Liebe und Etat für Musik übrig.
Der Tontechniker vollendete das Bild: unfähig eine Brummschleife
an den Decks zu entfernen, war es ein einfaches mal eben die
Erdung anzuschliessen und so das Problem nach einfachstem
Hausfrauenrezept zu beheben. Dass der Mixer trotzdem kein
gleichmässig ausgepegeltes Stereosignal ausgab, sondern
ausser einigen kaputten Fadern auch noch diverse heimliche
Störgeräusche bereithielt war da nur noch ein Detail
am Rande. Auch das Publikum bestand aus Musikliebhabern dieses
Kalibers. Die anderen DJs spielten eine Musikmischung aus
kommerziellem Trommelwirbelhouse in ca. 134 BPM, dinge wie
man es eventuell auf Ibiza noch vor einigen Jahren hörte.
Das komische war nur, auch trotz Trommelgewitter und Fanfarenalarm
mochte nicht so recht Extase aufkommen. Wie auch, wenn die
meisten Clubber lediglich damit beschäftigt sind möglichst
gut auszusehen und sich am Handtäschchen im Zigarettenschachtelformat
festklammern. Da fiel unsere Crew, von denen wir einige schon
von der Nacht davor kannten, schon gehörig aus dem Rahmen.
Es war ein ganz klarer Fall, angeblich ist dieser Laden „DER
CLUB“ in Manila, für uns war es der mit abstand
fieseste Laden den wir auf der ganzen Tour sahen: kommerziell,
ohne jede Liebe zur Musik, totale Poser, einfach eine richtig
schlimme vorstadtdisse, wie es sie überall auf der Welt
gibt. Jedenfalls bekam der Club immerhin drei Stunden wilde
Musik, garantiert ohne Trommelwirbel ab, bevor wir ihn von
Embassy (Botschaft) in Embarrassy (Peinlichkeit) umbenannten
und in die Stadt zum Feiern weiterzogen. Dort gab es einen
kleinen aber sehr lustigen Club, mit wirklich sehr guter Musik.
Die Mischung waren Drum und Breaks Elemente, House und durchaus
auch Minimales, immer interessant und immer groovy.
Vinyl war eher wenig vorhanden, alle DJs hatten ihre MP3s
auf CDs gebrannt und legten damit auf, teilweise mit CD Spielern,
teilweise mit Systemen wie Serato Scratch. Obwohl sie alle
lieber Vinyl gehabt hätten ist Vinyl aber unerschwinglich
und durch die langen Versandzeiten selten aktuell. Gleiches
gilt für Final Scratch, viele finden es cool aber es
ist einfach unerschwinglich teuer. Bedenkt man die Dimension,
ein teuerer Drink kostet 2 Euro, dann ist ein Vinyl für
ca 12 Euro inkl. Versand eine vergleichsweise teure Investition.
   
Auf den Phillipinen
spielt sich viel öffentliches Leben in Shopping Malls
ab. An einem durchschnittlichen Sonntag gehen ganze Großfamilien
in die Malls um dort einen ganzen Tag zu verbringen. Für
die Kinder steht ein großes Unterhaltungsprogramm bereit,
von der Eisbahn über Megaspielplätze mit Musik zu
moderierten Spielshows. Es scheint, bereits die kleinsten
sollen der Faszination der Megamalls für den Rest des
Lebens geprägt werden. Natürlich ist dieses Vergnügnen
ein relativ exclusives, da eine komplette Familie auch dort
in den Restuarnts essen muss, selbst wenn nichts gekauft wird.
Einge der Malls sind sogar hauptsächlich mit Resturants
und sogar Clubs für viele Geschmäcker ausgestattet.
Die Malls sind riesig und verbinden teilweise ganze Stadtgebiete
mit Skywalks. Um Zutritt zur Mall zu erhalten muss der Besucher
an uniformierten Sicherheitskräften vorbei, die mit Handschuhen
und Holzstäben alle mitgebrachten Taschen in Augenschein
nehmen, angeblich zum Schutz vor Anschlägen. Andererseits
wirken diese Kontrollen eher als soziale Sperre, denn in den
Malls findet man keine Bettler, Politik oder andere offensichtlich
arme Menschen. In den Malls gibt es auf großen Wühltischen
Plagiate von allem. Polo T-Shirts liegen neben den ganzen
bekannten US Marken, die auf MTV rauf und runter laufen. Inwieweit
diese Kopien mehr mit dem Original als die Markenaufdrucke
zu tun haben bleibt offen. Ebenso findet man offensichtliche
Kopien von Software, völlig irrwitzig sind die CD Compilations
von aus dem Internet gezogenen MP3s unterschiedlicher Musikrichtungen,
mit allen aktuellen Hits von Hiphop über Trance zu House.
Egal, wie man zu jeder art von Plagiat steht, es ist ein komisches
Rechtsverständnis einerseits Menschen auszugrenzen aber
andererseits selbst Recht zu verletzen. Uns sollte das in
dem Moment aber nicht stören, denn dieser Sonntag sollte
das Highlight dieser Reise werden: Eine Party mitten im Zoo
von Manila. An der Eingangstür gab es Souveniers und
ich konnte es nicht lassen mir für einen Euro einen Plüschaffen
zu kkaufen, der lange Arme hatte. Dieser wurde mein Wegbegleiter
für den Rest der Nacht. Mitten im Zoo gab es eine kleine
Partyinsel, die normalerweise als Treffpunkt dient, für
die Familienausflügler mit umliegenden Erfrischungsgetränken
und Toiletetten kurz zu verweilen. In einem unglaublichen
Akt von Logistik hatten die Veranstalter eine Bühne aufgebaut,
Jägermeister und BMWs an die Bar gestellt und eine komplette
chice PA hingestellt. Als es um 18 dunkel wurde und sich die
Familien auf den Nachhauseweg machten kamen die Partygäste.
Das Motto war: zieh dich an wie dein Lieblingstier und damit
darfst du umsonst auf die Party. Und diesem Motto waren einige
der Partygäste nachgekommen. Ein Elfe empfing uns, während
der Schmetterling für Jägermeister sorgte. Auf der
Tanzfläche tummelten sich Bär und weitere Schmetterlinge,
während ein französischer DJ wild gemischte Musik
aus allen Breakbeat Genres auflegte. Mein Affe und ich mussten
nur etwas dreckig grinsen, als wir entdeckten dass alle unsere
Vorurteile irgendeine Wahrheit beherbergten, denn seine teuren
Vinyle behandelte er echt schlecht, größtenteils
waren sie in zerissenen papiertaschen, seine Plattentasche
jedoch sah wie frisch gebohnert aus, kein wunder , die Marke
mit den drei Streifen und echtes Leder – unpraktisch
aber trop chic ! Vor lauter Jägermeister und Geläster
über die Phillipinische Assistentin der Veranstalterin,
die nicht alleine Pizza holen gehen wollte, weil sie das als
Mädchenj nicht alleine kann/darf/will, verpasseten wir
fast den Zoodirektor, der Sonya erstmal eine 3 Meter lange
Schlange über die Schulter legte. Tina unsere Gastgeberin
legte sich dann noch ordentlich auf`s Gesicht, so dass wir
mal eben in der Notaufnahme des angrenzenden Krankenhauses
landeten. Ein gruseliges Bild, mit sehr vielen kranken Menschen
in einem Raum und echter dritte Welt Medizin. Aber nicht einmal
das konnte unsrer guten Laune Abbruch tun, denn die Party
hatte soviel spaß gemacht und der angekündigte
Tornado war glücklicherweise doch nur ein tropischer
Regen, der die Party genau zum angekündigten Ende weggespült
hatte. Für uns war das ohnehin die beste Lösung,
denn wir flogen am nächsten Morgen nach Boracay, eine
Insel von der alle in Manila völlig begeistert erzählten,
es sei das ultimative Paradies.
   
Auf dieser Insel sah erstmal alles
anders aus. Der erste Blick von oben offenbarte Sandstrände
und Palmen sowie himmelblaues Wasser, der zweite Blick zeigte
jedoch einige weniger angenehme Wahrheiten wie große
Armut und ein noch schlimmeres Zweiklassensystem als man in
Manila wahrnehmen konnte. Die Phillipinos sind sehr , fast
zu freundlich, trotz scharen von Touristen aus der ersten
Welt. Jedoch kann auch Freundlichkeit eine Waffe sein, zwischen
„ Massage Mam“, „Boattrip Mam“, „Resturant
Mam“, „Tricicle Mam“, „Thanks Mam“
und mindestens weiteren 2000 Angeboten mit der Verknüpfung
Mam war es sehr anstrengend sich im Dorf zu bewegen. Die Horden
von Koreanern im Partnerlook , stets damit beschäftigt
sich gegenseitig zu Fotografieren, sind da wohl besser gewappnet.
Sie ignorieren die Phillipinos und freuen sich über die
günstigen Preise.
Das Dorf der kleinen
Insel Boracay hat eine Strandseite an der sich viele Läden
und Bars befinden, es ist aber parallel dazu über eine
Dorfstraße von hinten zugänglich . Diesen Weg nutzen
meist die Einheimischen. Dreibeinige Motorräder mit Zweitaktlärm
sind das öffentliche einzige Verkehrsmittel dieser Verkehrsader,
falls man eine holprige Schotterpiste mit teilweisen Betoneinlagen
so nennen darf. Hier wohnen Phillipinos in ärmeren Verhältnissen.
Die Bauten und Hütten sind umso schäbiger und ungepflegter
je weiter vom Strand entfernt. Viele hausen mit Tier und Müll
auf Minigrundstücken mit größeren Hundehütten.
Hygienische Verhältnisse Europäischer Prägung
gibt es nicht, fliessendes Wasser ebenfalls selten, ausser
in den Hotels. Zur Regenzeit kommt das Wasser als Schauer,
meist öfter am Tag. Straßen, Wiesen und Hinterhöfe
werden gleichermassen zu Sumpfgebiet, bis der größte
Teil im laufe einiger Stunden wieder verdampft ist, um sofort
danach erneut auch die einzige Wiese des Dorfes ein einen
See zu verwandeln mit einer Insel in der Mitte, auf der die
einzge Kuh weidet.
Nach der Schule üben die Jungs Breakdance und Posen aus
den klassichen Videokanälen auf dem weissen Sandstrip.
Die Mädchen üben sich in Schönheit. Der Schulsportplatz
dahinter ist Versammlungsort und Stadion, Bühne wie Proberaum
gleichermassen. Mitten im nachmittäglichen Regen probt
eine Hundertschaft Aufstellungen und Abläufe für
ein Fest. Die Musik ist laut wie die Stimmung, ganz als wäre
die Probe in Trainingshosen schon der große Auftritt.
Popsongs trällern aus den Lautsprechern, Teenagermädchen
singen ebenso lauthals wie falsch die Texte in phillipinischer
Übersetzung auf nachgespielte Karaokeversionen amerikanischer
Schlager.
Nur minimal mehr originial sind die CDs bekannter Europäischer
Clubs und DJs , die im Einkaufszentrum für 500 Pesos
angeboten werden. Die Verkäufer geben sich nicht einmal
die Mühe den Anschein der Echtheit zu erwecken. Selbstgebrannte
CDs werden mit der Oberseite des Covers in Nadeldruckerqualität
zu neuen „Originalen“. Anders, als bei den nachgespielten
Karaokeversionen ist zumindest die Musik auf den CDs echt.
Das Internet hat der hiesigen Musikindustrie offenbar weniger
geschadet als andernorts, man findet seinen weg mit Cds Geld
zu verdienen, und wenn es nur die schäbigen Doupletten
sind. Das Tempo mit dem Hits über diese Insel hereinbrechen
bleibt trotz zahlreicher asiatischer MTV Klone eher gering.
Die Hits in den Bars sind von der letzten Saison und auch
nur die wirklich ganz großen. Und man kann sie den ganzen
Tag in voller Lautstärke hören. Cafes mit leiser
Hintergrundbeschallung sind die Ausnahme. Selbst in Resturants
ist Discolautstärke die Norm. Schalldämmung Fehlanzeige
, wie auch bei einfachen Bambusbauten, bzw. überdachten
Terrassen, wie in Manila , wo sich sehr viel im freien abspielt.
Ein Alptraum für den Schallschutz und die Ohren und leider
auch ein Alptraum für jede Konversation, und ein noch
viel größerer Alptraum angesichts des unglaublichen
Gewirrs von Musikstilen an manchen Stellen. Genauso Aggressiv
ist die Fröhlichkeit der Housetunes die gespielt werden.
Viele der Produktionen klingen wie aus den großen englischen
Discos im süden, bzw. nach kommerziell erfolgreichen
Houseproduktionen aus Amerika, jedoch mindestens 5 Jahre alt
. Reduktion und Pointierung Fehlanzeige, das gute alte Crashbecken
und der Trommelwirbel regieren, alles ist bombastisch. Ganz
im Gegensatz zu den Verpackungsgrößen, die in den
kleineren Geschäften dargeboten werden. Es gibt alles
vorwiegend in Minigrößen : Instantcaffe, Shampoo,
Seife, getrocknete Energy drinks, Zahnpasta, Creme, Waschpulver.
Vieles davon mag der bitteren Armut geschuldet sein, denn
die kleine Größe bietet immerhin die Möglichkeit
wenigstens hin und wieder an der bunten Verpackungsgesellschaft
teilnehmen zu können. Cremes und andere Kosmetikprodukte
werden hauptsächlich mit „whitener“ angeboten.
Bleichere Hautfarbe, die weiss wirkt, kann eine art Aktie
im Kampf um Mileus und finnanzielle Resourcen werden. Schönheit
und artverwandte , dem weiblichen Geschlecht zugeschriebene
Eigenschaften, sind immer noch ein möglicher Weg in die
Industriegesellschaft. Viele allein reisende Männer,
vorwiegend unattraktiv und im mindestens mittleren Alter,
haben eine oder mehrere, halb so alte, halb so große,
sehr zarte und doppelte so hübsche Frauen im Arm. In
der Mehrzahl der Fälle bleiben diese Zusammenkünfte
eher temporärer art, das schreckt die Hoffnungen der
einheimischen Mädchen aber kaum, denn wenigstens für
einen begrenzten Zeitraum können die Frauen so am westlichen
Reichtum mitknabbern. In zahlreichen Touristenclubs geht es
auf der Tanzfläche zu wie auf einer Auktion. Möglichst
gut tanzen und möglichst gut aussehen, flirten und mindestens
eine Drink spendiert bekommen, denn die Drinks sind für
umgerechnet 2 Euro zwar vergleichsweise billig, entsprechen
aber dem Preis von 4 Kilo Bananen, 10 Mangos, 40 Brötchen
oder 12 Fahrten mit dem Trike über die Insel. Diese Art
von Bar war noch schlimmer, als der Geruch der Insel. Durch
die Wärme vermischte sich der ungewöhnliche Geruch
des Essens mit den Zweitaktabgasen, Frittieröl, Staub
und allen Arten von Chemischen Wasch und Reinigungsmitteln,
die mir sofort den Vietnamkrieg in den Kopf brachten. Was
also als Paradies versprochen war entpuppte sich als Luftblase,
ebenso wie Jude`s Bar. Noch so ein Ort der angeblich toll
sei, dessen Besitzer sich aber zum angekündigten Gig
nicht einmal blicken liess. Insofern fühlte ich mich
auch nicht verpflichtet oder lustig Musik zu machen. Also
versteckte ich mich mit Sonya und Laptop am Strand und genoss
die unglaubliche Natur. Wir fanden ein altes Riff, welches
leider abgestorben war, trotzdem konnte ich dort stundenlang
im türkisblauen Wasser tauchen und alle arten von bunten
und stacheligen Fischen entdecken. Die Farben, die Vielfalt
der Natur, das Meer und der weisse Sand, mit den Palmenbergen
im Hintergrund und endlich keine Menschenseele die irgendetwas
verkaufen wollte waren toll. Auch wenn dieses Paradies nach
einer weile sicher zu klein und zu langweilig werden würde,
für ein paar tage war es super. Am letzten Abend machte
Sonya noch Bekanntschaft mit einigen Inseldjs, die ganz wild
auf feiern waren und so endete der Inselabend für die
Gang in einer Karaoke Bar und fünf Phillipinischen DJs,
die „schwarz braun ist die Haselnuss“ sangen.
Da konnte nicht enmal mehr der Rückweg am nächsten
tag schlimmer werden, erst Trycicle, dann Auslegeholzboot
ohne Steg, was zu absurden Bildern mit den Koreanern führte.
Die waren wie schon die ganze Zeit im übertrieben bunten
Partnerlook unterwegs und liessen nicht nur die Koffer und
ihre Mädchen sondern auch sich selbst auf die Boote tragen.
Bedenkt man, dass die Phillipinos doch eher zart gebaut sind,
sind die Koreaner doch reichlich fülliger und es sah
einfach zu lustig aus wie sie, wie nasse Säcke geschultert
wurden, um ja nicht die Schuhe ins knöcheltiefe Wasser
ausziehen zu müssen. Genauso wurden sie vom Boot herunter
getragen, wieder in den Bus, dann in den Propellerflieger
und so flogen auch wir wieder endlose 15 Stunden zurück
nach Frankfurt.
Nachtrag: Der Tornado
kam doch noch, nachdem wir Manila verlassen hatten. Er traf
die Stadt ziemlich direkt und verwüstete viel. Die großen
Werbeflächen lagen wie zerbröseltes Legospielzeug
auf den Autobahnen und einge Menschen starben an den Folgen
der herunterfallenden Teile. Die Stromversorgung, die wie
Wäscheleinen an Strommasten aussahen rächten sich
ebenfalls durch Herunter und Ausfallen. Für einige Tage
gab es keinen Strom und auch kein Wasser.
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