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Estonia, August,
2005
Fischsuppe in der man badet und
Internet auf dem Land und eine nette Party!
  
Die Lust auf ein Abenteuer brachte
mich nach Estland. Dass man hier mit Kronen bezahlt und das
Land nur 1,6 Millionen Einwohner hat erfuhr ich im Internet.
Der Plan war von Haapsalu aus eine zwei Wochen Tour um die
vorgelagerten Inseln zu machen. Segeln macht spaß ist
aber eine ganz schöne Schufterei wenn man nur zu zweit
ist. Der Wind machte erst einmal keine Zicken so daß
wir immerhin zur Insel Vormsi gelangten. Dort warteten wir
zwei Tage auf bessere Zeiten und radelten an der Internetapotheke
und den örtlichen Alkoholikern vorbei. Sonst ist nicht
viel los in Vormsi, es sei denn man ist Mücke, davon
gibt’s nämlich viele. Sehr viele und ich war der
aromatische Leckerbissen. Dann brachte uns der Wind nach Rohhukühla,
von wo aus wir gleich 35 Seemeilen weiter südlich wollten
um den vorhergesagten Sturm abzuwarten. Daraus wurde ein immerhin
viertägiger Aufenthalt im hässlichsten Hafen den
ich auf der ganzen Reise gesehen habe. Um die verregnete Zeit
etwas abzukürzen fuhren wir it der Fähre auf die
Insel gegenüber und stellten dort fest daß es weder
Busfahrpläne gibt, noch Leute die Englisch können
um einem etwas zu erklären. Als wir dann endlich drei
Orte weiter in der Inselhauptstadt herausgefunden hatten,
daß unser Bus um acht kommen soll, kam der prompt nicht.
Alle die sonst noch auf den Bus warteten nahmen es gelassen
und gingen einfach wieder nach hause um am nächsten Tag
zu fahren. Wir hatten Glück und einen Bootsbauer, der
uns fuhr, sonst hätten wir wohl an der Bushaltestelle
übernachtet. Mittlerweile war ich nicht mehr so begeistert
vom Essen obwohl es schon echte Leckerein gibt die ich vermissen
werde. Aber irgendwann wird Fett, Zucker und weißes
Mehl echt langweilig. Ich sehnte mich nach Salat. Den bestellte
ich ohne totes Vieh, aber dafür mit Kartoffeln und erntete
nur komische Blicke. Als er dann kam verstand ich halbwegs
wieso, es lagen trockene tote blätter aufgehäuft
neben den kartoffeln denn Dressing gibt’s selten oder
nur auf Bestellung und ich hatte es ja so gewollt: ohne Vieh
und ohne Majo.
   
Schwimmen wollte ich
auch immer weniger, denn erstens hatte ich das Gefühl
in einer Gemüsebrühe zu schwimmen, da alles flach
und bewachsen ist in diesen Uferregionen. Außerdem machte
Dauerregen die Sache immer kälter und der ständige
Wind tat ein übriges. Irgendwann gaben wir dann unseren
Trip entnervt auf und fuhren zurück nach Haapsalu. Dort
spielte ich auf einer echt süßen, netten Party.
Der Liveact hat voll spaß gemacht und ich glaube die
Jungs und Mädels hatten so echten Berlinsound noch nie
gehört. Ich hatte fast das Gefühl, daß Liveact
noch gar nicht als Wort dort angekommen war. Aber wir hatten
zusammen sehr viel spaß und fürs Herz war es auch
was, denn die Leute dort sind offen und so was von nett und
freundlich, das kennt man so bei uns nicht. Echte Sweethearts,
vor allem der Veranstalter der total verlegen war vor soviel
Prominenz aus Berlin. Natürlich musste ich mal wieder
erklären warum es wieder keine Loveparade gab (wie soll
man das erklären ausser mit totaler Ignoranz aller Beteiligten
?) und endlose Fragen zum Thema Clubs und Parties in Berlin
beantworten. Als ich umgekehrt wissen wollte wie das in Estland
mit Drogen so ist war der kleine DJ Kollege ganz schnell weg.
Ich glaube so viel Offenheit wie in Berlin zu dem Thema ist
in Estland noch ungeheuer.
  
Anders , als ich das
aus den benachbarten Regionen von Vilnius und St. Petersburg
vom Auflegen kenne sind die Parties in Estland auf dem Land
noch sehr klein. Das ist in der Hauptstadt Tallinn schon was
ganz anderes, aber es ist auch eine Ehre und Freude in einem
Ort auf der zweiten Technoparty gespielt zu haben die der
Ort in seiner 1200 Jahre alten Geschichte gesehen hat. Aber
immerhin gibt es jetzt ein paar Hände voll begeisterter
mehr.
Fazit: Schön, aber sehr kalt. Nette, sehr nette Leute,
die nicht unbedingt viel haben, aber das auch noch mit teilen.
Alle haben viele Kinder und das sehr jung. Am Land ist Estland
ausgesprochen billig, Tallinn hat man in einem Tag gesehen
und das langt dann auch. Musikalisch, cool bis trashig von
D´n B über Trance zu House und Techno und total
offen für gute Musik, auch wenn sie es vielleicht noch
nicht kennen. Die DJs hatten aber sehr schönen Haus aus
Schweden, der jedem Club in Europa den Samstag gereicht hätte.
Ja und verstehen ist leider mit Estnisch gar nicht diese Sprache
ist so was von komisch . Manchmal sieht es aus als würde
hier neue deutsche Rechtschreibung bis zum brechen umgesetzt:
Poizei ist Politsei, Whisky ist Visiki und so weiter, wenn
man denn mal was versteht (wobei zu nicht tsu ist !).Russisch
sollte man lieber lassen, denn da schwelt so ein alter Konflikt,
aber das ist ein anderes Thema.
  
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